Historisches zur Entwicklung des Shotokan-Karates

„Karate“ ist eigentlich eine Abkürzung für „Karatedō“ und bedeutet zu Deutsch soviel wie „Weg der leeren Hand“. Der Begriff bezeichnet damit eine Kampfkunst, die ohne Waffen ausgeübt wird. Der Zusatz „dō“ wird meistens dazu verwendet, um den philosophischen Hintergrund dieser Kunst sowie ihre Bedeutung als Lebensweg zu unterstreichen.

Die geschichtlichen Wurzeln des Karate liegen im Okinawa des 19. Jahrhunderts, damalige Hauptinsel des unabhängigen Ryūkyū-Inselkönigreichs, was bedeutet, dass Okinawa zu jener Zeit noch nicht – wie heute – zu Japan gehörte. Erst zu Beginn des 20 Jh.s gelangte diese Kampfkunst nach Japan, von wo aus es nach dem Zweiten Weltkrieg in der ganzen Welt Verbreitung fand.

Die Legende erzählt, dass der buddhistische Mönch Daruma Taishi (Bodhidharma) aus Kanchipuram (Südindien) im 6. Jahrhundert das Kloster Shaolin (jap. Shōrinji) erreicht und dort nicht nur den Ch'an (Zen)-Buddhismus begründet, sondern die Mönche auch in körperlichen Übungen unterwiesen habe, damit sie das lange Meditieren aushalten konnten. So sei das Shaolin-Kungfu entstanden, aus dem sich dann viele andere chinesische Kampfkunststile entwickelt hätten.

Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Karate (eingesehen am 05.09.2009)

 

Beruhend auf diesen chinesischen Wurzeln sieht sich das Karate gern als Nachfahre jener Traditionen (Chan, Bodhidharma, Shaolin), wobei v. a. okinawische Traditionen für diesen Stil ausschlaggebend waren. Aufgrund von kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Okinawa und seinen Nachbarn nahmen auch japanische Einflüsse auf diese Kampfkunst zu.

Inhaltlich wird Karate durch waffenlose Techniken charakterisiert, vor allem Schlag-, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken sowie Fußfegetechniken. Diese Technikkategorie bildet den Kern des Karatetrainings. Recht hohen Wert legt man meistens auf die körperliche Kondition, die heutzutage insbesondere Beweglichkeit, Schnellkraft und aerobe Belastbarkeit zum Ziel hat. Das moderne Karate-Training ist häufig eher sportlich orientiert. Das heißt, dass dem Wettkampf eine große Bedeutung zukommt.

Der Shotokan-Stil nach Funakoshi Gichin

 

Als besondere Richtung des Karate entwickelte sich der Shotokan-Stil, dessen Grundwerte und Techniken in unserem Club gelehrt werden.

Der Begriff Shōtōkan (dt. „Haus des Shōtō“, Shōtō = Kiefern- oder Pnienrauschen) ist zurückzuführen auf Funakoshi Gichin.

Funakoshi Gichin

Funakoshi Gichin (* 1868; † 1957) gilt als der Begründer des modernen Karatedō im Shōtōkan- und Shōtōkai-Stil.

Durch ihn verbreitete sich zu Beginn des 20. Jh.s jene bis dahin im Geheimen trainierte Kampfkunst  in der ganzen Welt. An dieser Stelle sei jedoch hervorgehoben, dass Funakoshi Karate v. a. als Werkzeug sah, um Körper und Geist zu vervollkommnen. Erst in zweiter Linie folgte der Selbstverteidigungsaspekt.

Obwohl er nach eigenen Aussagen in der Kindheit eher klein und kränklich war, fing er im Jugendalter mit dem Karate-Training an. Dank seines ausgeübten Berufes, er war als Hauptschullehrer tätig, gelang ihm die Verbreitung des Karate, indem er es in den Sportunterricht an den Schulen integrierte.

1922 folgte der entscheidende Schritt für Funakoshi und das Karate, als er als Leiter einer Delegation aus Okinawa nach Tokio reiste, wo er seine Kampfkunst erstmals der japanischen Öffentlichkeit präsentierte. Aufgrund des großen Interesses blieb er in der japanischen Hauptstadt, um weiter zu unterrichten.

 Wie kommt dieser Stil nun zu seinem Namen „Shōtōkan“? Der Begriff setzt sich aus den Worten „Shōtō“, welches sich von Funakoshis Künstlernamen „Shōtō“ (= Kiefern- oder Pinienrauschen) ableitet, unter welchem er auch Gedichte schrieb, und dem Wort „Kan“ (= Halle, Haus), dem ersten richtigem Dōjō (= Trainingshalle für Kampfkünste), zusammen. Funakoshi selbst wehrte sich gegen die Bezeichnung, dass das Shōtōkan-Karate ein eigener, noch dazu von ihm geschaffener Stil sei, da es für ihn nur "ein" Karate gab. Seine Schüler prägten die Benennung als eigenen Stil, um sich von anderen Schulen abgrenzen zu können.

Wie oben bereits erwähnt, ist besonders hervorzuheben, dass Funakoshi Gichin Zeit seines Lebens einen strengen Ehrenkodex befolgte. Er ein sehr friedfertiger Mann, der versuchte, den Kampf wann immer möglich zu vermeiden. So gab er zum Beispiel einmal Dieben den Kuchen, den er als Opfergabe für seine Ahnen vorgesehen hatte, nur um den Konflikt mit den beiden ihm wahrscheinlich unterlegenen Männern zu vermeiden. D. h. er legte in erster Linie besonderen Wert auf die Schulung von Geist und Charakter und erst in zweiter Linie auf die Selbstverteidigung.
 

Funakoshis dritter Sohn, Yoshitaka Giko (1938-1945), war es schließlich, der dem dynamischeren und mehr kampfbetonten Stil zum Durchbruch verhalf, indem er neue Techniken lehrte.

2 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Funakoshi_Gichin (eingesehen am 05.09.2009)


Der Shotokan-Stil
Der Shōtōkan-Stil ist die am weitesten verbreitete Stilrichtung im Karate-dō. Charakteristisch für diese Stilrichtung ist ein tiefer Stand, der dynamische und kraftvolle Bewegungen ermöglicht. Hauptmerkmal des Shotokan-Stils ist der Kampf in einer möglichst weiten Distanz zum Gegner (Sport-Kumite), wobei auch im Shotokan die Rolle des Nahkampfes in keiner Weise vernachlässigt wird (Selbstverteidigung). Jede Shōtōkan-Technik kann entweder als eine Angriffstechnik oder als eine Verteidigungstechnik eingesetzt werden. Wendungen der Stände werden im Gegensatz zum z. B. Gōjū-ryū oder Shitō-ryū vom hinteren Fuß initiiert. Ein paar wenige Schlag-, Stoß- und Blocktechniken im Shotokan unterscheiden sich von denen anderer Stilrichtungen nur unwesentlich anhand der Ausholbewegungen in der Grundform der Ausführung, wobei die Trefferflächen dieselben sind. Die Fußtritte unterscheiden sich von denen anderer Stilrichtungen nicht, wobei im Shotokan häufiger Fußtritte zum Kopf ausgeführt werden.

Obwohl sich Gichin Funakoshi dagegen wehrte, entwickelte sich das Karate zum wettkampforientierten Stil. Aufgrund der Gründung der Japan Karate Association (JKA) festigte sich der Shotokan-Stil zunächst in Japan, bevor er sich durch die weltweite Entsendung von Karate-Meistern zur weltweit größten Stilrichtung entwickelte.